Gürlers Werke

Tevhit Gürler 20 Jahre - 20 Bilder

 

Waffen sind unheilvolle Geräte, alle Wesen hassen sie wohl. Darum will der, der den rechten SINN hat, nichts von ihnen wissen. (Laotse, Tao-Te-King 31, aus dem Chinesischen von Richard Wilhelm)

Bereits im 4. Jahrhundert vor Christus zeigt Laotse in seinem Spruchbuch, wie in einem Staat ein friedvolles und stabiles Leben für jedes Individuum gewährleistet werden kann. Beim ersten Blick auf die Malerei Tevhit Gürlers stellt man fest, dass auch er diesem Leitspruch Laotses folgt. In seinen Werken findet man die ästhetisch-künstlerische Umsetzung dieser Worte im Medium der Malerei.

Seit 1990, nach einem Konstruktionstechnik Studium, widmet sich Tevhit Gürler seiner Kunst und ist seither als freischaffender Künstler tätig. Seit den achtziger Jahren lebt der in der Türkei geborene Künstler in Deutschland und ist mit diesen zwei ganz unterschiedlichen Kulturen vertraut. 2010 zeigt er nun – 20 Jahre nach seiner ersten Ausstellung in Duisburg – in der Ausstellung „20 Jahre – 20 Bilder“, die von der Stadt Duisburg „Form der Kulturen“ organisiert wird, Arbeiten aus seiner Schaffenstätigkeit. Das Werk „Die Uhr der Geschichte“ aus dem Jahr 1990 offenbart Themen, die sein künstlerisches Schaffen auch noch heute bestimmen. In einem surrealen Bildaufbau erscheint eine übergroße Uhr, durch die ein tosender Fluss verläuft. Im Mittelpunkt der Uhr befindet sich der Erdball, von dem die orangefarbenen Zeiger ausgehen. Durch die Leerstelle im Ziffernblatt und das darunter liegende Gitter fließt der Strom der Geschichte. Auf der rechten Seite erscheint der Fluss als braune Flüssigkeit, in der kulturgeschichtliche Relikte und Symbole der Menschheitsgeschichte schwimmen. Das Auto als ein Zeichen der Dynamisierung der Welt und Teil der modernen Entwicklung schwimmt neben einer Bombe, die auf die potentielle Bedrohung und die von ihr ausgehende vernichtende Kraft anspielt und somit die technischen Errungenschaften der Moderne in dieser Arbeit Gürlers mit einer gewissen Kritik betrachtet werden. Das Hakenkreuz erinnert an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten und erweitert die Dimension der Geschichte um die Erfahrung der Diktatur, des Massenmordes und des Krieges. Durch das Gitternetz der Uhr unterhalb des Flusses sieht man die Resultate der Menschheitsbestrebungen nach Macht, die in den Weltkriegen kulminieren - die Skelette und Totenköpfe der gefallenen Menschen. Sobald der Fluss durch diese Gitter fließt, verwandelt er sich in eine weiß schäumende Masse, die klarer wirkt als diebraune Flüssigkeit. Auf der rechten Seite, oberhalb des Flusses, zeichnen sich drei Aktfiguren auf dem dunkelblauen Grund ab. Ein männlicher Akt hat einen Speer auf einen weiteren Akt geworfen, der vor diesem zusammenbricht. Die Figuren erinnern an die Tradition vorzeitlicher Höhlenmalerei und markieren somit den Ursprung dieser Todsünde, die seit Anbeginn der Zeit den Menschen bestimmt und vor der Laotse bereits im 4. Jahrhundert vor Christus warnt. An der Spitze des Speeres erscheint ein Gewehr, das die Entwicklung von tödlichen Waffen durch die Industrie andeutet, die heute im Zeitalter der atomaren Waffen gipfelt. Gürler sieht in dem Fluss ein Symbol des immer fließenden Lebens und warnt mit den Totenköpfen darunter gleichzeitig vor der Vergänglichkeit des menschlichen Seins. Er veranschaulicht auch die politische Dimension, dass beispielsweise die Macht einer Diktatur nur eine gewisse Zeitspanne währt, jedoch viele Opfer fordert. Gürler stellt damit bereits 1990 die Frage, vor dem Hintergrund des zweiten Golfkrieges, wohin die Zerstörung führen mag. Die leuchtend farbige Komposition erinnert an die Bildwelten der Surrealisten und durch die elastische Form der Uhr wird der Betrachter an Salvador Dalís „Beständigkeit der Erinnerung“ aus dem Jahr 1931 erinnert. Gürlers Werke entstammen dem Bereich des Phantastischen und entführt den Betrachter mit seinen Werke in Traumlandschaften, die erst einmal entziffert werden müssen. 20 Jahre nach „Die Uhr der Geschichte“ spricht Gürler eine ähnliche Thematik in dem Werk „Das Ende der Logik““ an. Vor einem dunklen schwarz-blauen Grund erscheinen zwei weiße Linien, die sich kreuzen und die Form einer Sanduhr definieren. Im oberen Teil der Uhr finden sich schemenhaft menschliche Figuren, die wie der Sand in einer Uhr langsam verinnen und somit auf die Vergänglichkeit verweisen. Darunter erscheint die Erde, die verschiedenen Bedrohungen ausgesetzt ist, die sich auf dem Bildgrund befinden. Erneut zeigt Gürler Symbole des Krieges, wie Panzer, explodierende Bomben und Scharfschützen mit Gewehren im Anschlag. Unten rechts scheinen sich Bomben zu erheben, die auf den Erdball gerichtet sind und diesen zu zerstören drohen. Dies ist ein direkter Verweis auf die existenzielle Gefahr für die Menschheit und das gesamte Leben auf der Erde, welches durch Kernwaffen bedroht wird. Der surreale Bildraum, den Gürler konstruiert, gibt jedoch keine eindeutige Antwort, sondern der Betrachter wird im Anschauungsprozess zu einer Reflektion seiner eigenen Existenz angeregt. Oberhalb der schemenhaften Figuren in der Sanduhr erscheint eine Spirale, die auf den ersten Blick wie ein weiterer Planet scheint. Ein Symbol der Unendlichkeit – vielleicht eine Antwort auf die Fragen – die jedoch im Bereich des Unbestimmten verharrt. In „Millenium“ aus dem Jahr 1999 verwandelt Gürler die Erde in eine ähnliche Spirale oder vielmehr einen Strudel, auf dem gemeinsam das Milleniumfest von verschiedenen Nationen und Kulturkreisen auf unterschiedlichen Kontinenten gefeiert wird. Hier findet man also ein positives Gegenbild, in denen verschiedene Kulturen weltweit gemeinsam ein Fest feiern. Noch wichtiger als das Symbol der Spirale ist für Gürler die Linie als Gestaltungsmittel. Dies zeigen auch die beiden Linien, die als Sanduhr gelesen werden können und das Zentrum

des Werkes „Das Ende der Logik““ definieren. Die Linie ist für Gürler der Ursprung seiner Malerei, ein „zusammenhängendes, eindimensionales geometrisches Gebilde ohne Querausdehnung“. „Linie heißt in der Geometrie das nur Längsdimensionen besitzende Ergebnis der fortschreitende Bewegung eines mathematischen Punktes in der Fläche oder im Raum.“

Aus der Linie können beliebig viele Formen entstehen, die wie in „Die Wechselgesichter“ von 2009 vertikal gespiegelt werden und ganz unterschiedliche Assoziationen beim Betrachter auslösen. Durch die Erfahrungen des Einzelnen, die Realität wahrzunehmen, werden die verschlungenen Linien als etwas Gegenständliches gelesen und so ist es dem Betrachter möglich, Gesichter in diesem Bild wahrzunehmen. Dieses Phänomen nutzt Gürler für seine Werke aus. In dem eindimensionalen Liniengefüge, welches auf einem Achsenkreuz aufliegt, und der Formel am unteren linken Bildrand wird zusätzlich der direkte Bezug zur Mathematik offenbart. Auch in „Lebensretterin Madame Limes“ aus dem gleichen Jahr wird die Verschränkung von Mathematik und dem ästhetischen Gestaltungselement der Linie schon im Titel deutlich. Die mathematischen Formeln sind Teil der Bildkomposition. Künstlerische Gestaltung und mathematische Grundgesetze fließen bei Gürler ineinander und sind sicherlich auch auf sein Studium Konstruktionstechnik zurückzuführen. In „Die Suche“ von 2010 zeigt der Künstler die Ausdehnung der mathematischen Prinzipien in den dreidimensionalen Raum und schafft eine Parallele zur Frage nach dem Sinn des Lebens. In diesem Bild findet man bereits die Weltreligionen wieder, wie auch in dem Triptychon „Die Richtung“ von 2010. Jedes der drei Bilder ist einer Weltreligion gewidmet, dem Christentum, dem Islam und dem Buddhismus. In einem strahlenden Licht, welches von einem dunklen Grund mit verschiedenen Sternensystemen umfangen wird, befindet sich eine Figur in Adorationshaltung, die erneut nur durch Linien definiert wird. Die Figuren richten ihr Gebet an ein Symbol ihres Glaubens, wie das Kreuz, und hinter den betenden und meditierenden Figuren befindet sich ein weiteres Symbol der Religion, im Falle des Christentums der Apfel, der zum Sündenfall und der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies führte. Gürler zieht mit den drei Bildern einen direkten Vergleich zwischen den Religionen und zeigt daher auch die Gemeinsamkeiten und deren Antworten auf die Bestimmung des menschlichen Seins. Gleichzeitig werden alle drei Religionen vom gleichen Universum umgeben. Der definierte Glaubensraum ist bei allen drei Religionen begrenzt und absolut und der folgende Raum strebt in das Unendliche – in das Ungewisse.

Neben den Fragen nach dem Sinn der Lebens, der teleologischen Bedeutung des Lebens innerhalb des Universums, stellt Gürler immer wieder ganz konkrete Problemstellungen in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen.

Die Abtreibung“, die auf den ersten Blick an De Chiricos Bildaufbau erinnert, könnte durch die aktuelle öffentliche Diskussion um das Thema Abtreibung inspiriert worden sein. Doch dieses Werk ist bereits 1990 entstanden und zeigt, dass diese Thematik nach 20 Jahren ihre

Aktualität nicht verloren hat. Im Mittelpunkt erscheint ein Quader, an dem ein Kopf, ein Arm, eine Brust und Teile des Unterkörpers einer Frau montiert wurden. Aus einem Wasserhahn, der an der Stelle der Brustwarze erscheint, tropft Blut. Der Körper der Frau ist fragmentiert und das Blut und der Kopf an dem abgeknickten Hals deuten die Verletzungen der weiblichen Figur an. Für Gürler ein Zeichen für die physische und psychische Gewalt, unter der Frauen weltweit leiden müssen, ob diese nun eine Abtreibung vornehmen dürfen oder es unterlassen müssen. Hinter der Figur eröffnet sich rechts ein Weg, der am rechten Bildrand von Geistlichen gesäumt wird, an dessen Ende Justitia mit brennenden Waagschalen steht und anzeigt, dass erst an dieser Stelle gerichtet wird. Gürler selbst gibt keine eindeutige Antwort, doch er stellt die leidende Figur der Frau in den Mittelpunkt und lässt dem Betrachter des Bildes die Möglichkeit zu einer Reflexion.

Gürlers Werke bestechen vor allem durch ihre kräftigen Farben neben dem Hauptgestaltungsmittel der Linie. Dabei thematisiert er Krieg, Gewalt, Tierfang und die Zerstörung der Umwelt. Er zeigt auf, dass immer das Gleichgewicht gewahrt werden muss (siehe „Das Gleichgewicht“), welches jedoch vom Menschen meist überschritten wird. Seit der Aufklärung strebt der Mensch nach Fortschritt, der jedoch auch immer negative Folgen für den Menschen und die Umwelt hat, auf die Gürler in seinen Werken hinweist. Sein wichtigstes Anliegen ist, dass jeder Mensch den Sinn seines eigenen Lebens hinterfragt oder reflektiert und verdeutlicht, dass dies nur mit einem gemeinsamen Bestreben der verschiedenen Kulturen funktioniert, denn der Sinn des Lebens ist das Leben selbst.

 

Jasmin Blankenburg

 

 

Duden, 2006, S. 646 Lexikon der Kunst, Deutscher Taschenbuchverlag München, 1996, Band IV, S. 347

 

Surreal Kunstwerke seit 1990                                                                Tevhit GÜRLER

Die Uhr der Geschichte 1990
Die Abtreibung 1990
Engel,2001

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TG Millenium/2000 YILI

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Lebensreterin Madame Limes,2009

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Wechselgesichter,2009

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Das Ende der Logik,2010

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Die Suche,2010

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Tevhit Gürler/Der Klimawandel 2001

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Die Richtung I,2010

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Die Richtung II,2010

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Die Richtung III,2010

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Der Herzensbrecher

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ARENA

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Tevhit Gürler- Der Weg I

 

 

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Tevhit Gürler- Industirie

 

 

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Weitere Bilder folgen.....

 

 

Tevhit Gürler-Chous der Logik 1991

 

 

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Tevhit Gürler-Tunesien

 

 

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Tevhit Gürler-Seelenbindung

 

 

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Tevhit Gürler/Die Welt inmitten unseren Herzens sucht Liebe und Frieden.15.2.2021

 

 

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Tevhit Gürler/Die Blumen der Vier Jahreszeiten 21.2.2020

 

 

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Tevhit Gürler/ 2020/ NEW MYSTERİOS FACE of Germany-Map / Neue mysteriöse Gesichtzüge der Deuschland-Landkarte / Almanya harıtasının yeni gizemli yüzü.

 

 

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